Katalogkategorien

Neuheiten vom 21.11.2018

 

Wolfgang Amadeus Mozart

Die Entführung aus dem Serail
Woester, Ludwig, Lipp. Loose, Klein, Koréh
Wiener Staatsopernchor
Wiener Philharmoniker, Josef Krips

Ouvertüren
London Symphony Orchestra, Josef Krips

Eloquence ELQ4827191, PC: BG (2 CD), VÖ: 21.11.2018, 0028948071913

Dies ist die Wiederveröffentlichung der ersten Einspielung aus Wien von Mozarts beliebter Oper (Decca 1950). Und dies war die erste Decca-Veröffentlichung einer Oper auf LP. Der Wiener Dirigent Josef Krips hatte zusammen mit Intendant Egon Hilbert das Staatsopernensemble aus den Turbulenzen von 1945 wieder aufgebaut und seinen ganz eigenen Mozart-Stil kreiert, für den er weithin gefeiert wurde. Zwischen 1950 und 1954 war Krips Chefdirigent des London Symphony Orchestra, mit dem er eine Studioaufnahme von Mozart-Ouvertüren im Winter 1951/52 einspielte. Diese Interpretation wurde sehr geschätzt wegen ihres leichten Flusses und ihrer Sensiblität für dramatische Effekte.

 

 

 

Chansons Françaises

Lieder von Berlioz, Chausson, Ibert, Ravel, Debussy, Duparc, Anthiome, Fauré

Wolfgang Holzmair, Bariton
Maria Belooussova, Klavier

Eloquence ELQ4817502, PC: BL, VÖ: 21.11.2018, 0028948175024

 „Für mich“, hat Wolfgang Holzmair einmal festgestellt, „ist Gesang eine Überhöhung von Sprache – eine höhere Form, Worte und Gedanken auszudrücken.“ Seit über drei Jahrzehnten folgt der österreichische Bariton diesem Prinzip in einem steten Strom von Rezitals und Einspielungen von Liedern und Chansons, immer wieder gefeiert für die Agilität, die Präzision und den Nuancenreichtum des Vortrags. Diese Qualitäten zeichnen auch sein neues Album „Chansons Françaises“ aus, 2012 in Wien aufgenommen. Die Liedauswahl konzentriert sich auf den Höhepunkt des französischen Kunstliedes von der zweiten Hälfte des 19. bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und bewegt sich zwischen exquisiter Melancholie (Berlioz, Duparc) und trockenem Witz (Ibert). Erstmals aufgenommen sind hier zwei Lieder von Eugène Antiome, Salonstücke in der Art von Reynaldo Hahn.

 

 

 

Peter Tschaikowsky

Eugen Onegin

Vercevic, Heybal, Cvejic, Bugarinovic, Popvic, Starc, Cangalovic, Andrashevich
Chor und Orchester des Belgrader Nationaltheaters, Oskar Danon

Eloquence ELQ4826944, PC: BG (2 CD), VÖ: 21.11.2018, 0028948269440

Dies ist die erste CD-Veröffentlichung der ersten Stereo-Aufnahme von Tschaikowskys Meisterwerk. Im Verlauf des Jahres 2018 bietet Eloquence erstmals auf CD alle sieben russischen Opern an, die 1955 von der Decca mit dem Ensemble der Belgrader Oper aufgenommen worden waren. Zwei Interessen trafen sich damals: Das Belgrader Ensemble war gerade von einer sehr erfolgreichen Tournee durch die Schweiz mit „Boris Godounow“ zurückgekommen und wollte international weiter auf sich aufmerksam machen, und die Decca suchte nach Möglichkeiten, ihren noch schmalen, aber schnell wachsenden Katalog an Stereo-Aufnahmen und Aufnahmen des russischen Opernrepertoires zu erweitern. Das war bis dahin noch nie in der Originalsprache eingespielt worden.

 

 

 

Yvonne Minton singt Mahler

Das Lied von der Erde
Lieder eines fahrenden Gesellen
Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“

Yvonne Minton, Mezzosopran
René Kollo, Tenor
Chicago Symphony Orchestra, Sir Georg Solti

Eloquence ELQ4827169, PC: BG (2 CD), VÖ: 21.11.2018, 0028948271696

Dies ist die Dokumentation einer künstlerischen Partnerschaft auf höchstem Niveau. 2017 schrieb Yvonne Minton, Mahler könnte beim Komponieren Sir Georg Solti und das Chicago Symphony Orchestra im Kopf gehabt haben. Sie war zu bescheiden, ihren eigenen großartigen Beitrag zur Mahler-Rezeption zu erwähnen, ihr tiefes Verständnis seiner Musik, basierend auf einer hervorragenden Gesangstechnik. Sie zeigt Mahler als „meisterhaften Geschichtenerzähler“, nicht nur in den 1970 aufgenommenen Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn“. Im selben Jahr entstand die Aufnahme der „Lieder eines fahrenden Gesellen“, zwei Jahre später „Das Lied von der Erde“. Auch Solti ist hier in Höchstform: ohnehin ein genialer Liedbegleiter, gibt er Minton allen Raum, alle Freiheit für eine höchst subtile Darstellung.

 

 

 

Robert Irving: Die Decca-Aufnahmen

Werke von Gluck, Grétry, Massenet, Meyerbeer, Lambert, Walton, Verdi

New Symphony Orchestra
London Symphony Orchestra
Robert Irving

Eloquence ELQ4827289, PC: BG (2 CD), VÖ: 21.11.2018, 0028948272891

Robert Irving hatte sich einen großen Namen als Ballettdirigent gemacht und sowohl das Royal Ballet wie auch das New York City Ballet zu Höchstleistungen geführt. Aber er machte nicht mehr als eine Handvoll Aufnahmen in den 1950er und 1960er Jahren. Die wenigen Einspielungen zeigen seine unfehlbare Sensibilität für die Erfordernisse des Tanzes (z.B. in langsameren Tempi, als sie bei Konzertaufführungen üblich wären). Die hier zusammengetragenen Interpretationen stammen aus der Zeit, als Irving stark mit Sadler‘s Wells und dem Royal Ballet verbunden war, und sie dokumentieren seine Kunst der musikalischen Nuancierung und sprühender Agilität.

 

 

 

Bernard Haitink: Die frühen Jahre

Beethoven: Symphonie Nr. 8 F-dur, op. 93
Mendelssohn Bartholdy: Symphonie Nr. 4 A-dur, op. 90; Hebriden-Ouvertüre, op. 26
Andriessen: Symphonische Etüde

Concertgebouworkest, Bernard Haitink

Eloquence ELQ4828627, PC: BL, VÖ: 21.11.2018, 0028948286270

Hier werden kaum bekannte Studioaufnahmen aus der Frühzeit des großen Dirigenten vorgestellt. Das Tempo seiner Karriere war beeindruckend: 1956 stand er erstmals am Pult des Concertgebouworkest, und schon fünf Jahre später führte er das Ensemble auf Tournee durch die USA und Japan. In der Folge dieser Tourneen nahm Philips Beethovens 8. (im Juli 1962) und Mendelssohns „Italienische“ (im Februar 1963) mit Haitink und dem Orchester auf, das er für die nächsten 35 Jahre als Chefdirigent leiten sollte. Dazu noch eine Rarität, die zehnminütige „Symphonische Etüde“ von Hendrik Andriessen, 1952 komponiert. Die vier Teile basieren auf Zwölftontechnik in einer nachimpressionistischen Sprache und erinnern daran, dass Haitink bei aller Pflege traditionellen Repertoires auch immer ein Anwalt der Musik unserer Zeit war.

 

 

 

Johannes Brahms

Kammermusik für Klarinette:
Sonaten opp. 120, 1 und 2
Trio op. 114

Pascal Moragués, Klarinette
Christian Poltéra, Cello
Frank Braley, Klavier

Indésens INDE111, PC: CE, VÖ: 21.11.2018, 3760039831330

Johannes Brahms hielt sein Gesamtwerk 1891 eigentlich für abgeschlossen. Er komponierte nur noch wenig. Doch dann begegnete er dem Klarinettenvirtuosen Richard Mühlfeld, der ihn zu seinen letzten vier großen Kammermusikwerken inspirierte. Noch 1891 schrieb er das Trio op. 114 und das Quintett op. 115 und im Sommer 1894 die beiden Klarinettensonaten op. 120. Drei der prominentesten Kammermusiker Europas wurden für diese Aufnahme zusammengebracht, um diesem Spätwerk gerecht zu werden.

 

 

 

Karol Beffa: En Blanc et Noir

Mahler à Venise; Grand Hôtel; Spleen de Leipzig; L‘Abbé Franz; En blanc et noir; Moebius u.a.

Karol Beffa, Klavier

Indésens INDE115, PC: CE, VÖ: 21.11.2018, 3760039831378

Der französische Komponist und Pianist Karol Beffa absolvierte seine musikalische Ausbildung, nachdem er als zunächst als Kinderschauspieler aufgetreten war. In seinen Rollen spielte er einen achtjährigen Mozart in einem Fernsehfilm von Marcel Bluwal. Neben sieben ersten Preisen am Pariser Konservatorium erhielt er Abschlüsse in Geschichte, Englisch, Philosophie und Mathematik. Er belegte den ersten Platz im französischen Akkreditierungswettbewerb für Musikausbildung und lehrte an der Sorbonne und später an der École Polytechnique. 2003 promovierte er in Musikwissenschaft und wurde im folgenden Jahr zum außerordentlichen Professor an der École Normale Supérieure (Ulm) ernannt.

 Als Pianist tritt Karol Beffa sowohl solistisch wie mit Orchester auf und begleitet regelmäßig Stummfilme. Mit der Pianistin Lorène de Ratuld hat er ein Duo gebildet, das sich auf Werke aus dem klassischen Repertoire sowie auf Improvisationen zu Themen spezialisiert, die vom Publikum ausgewählt werden. Seine Kompositionen wurden in Europa und Asien von verschiedenen renommierten Ensembles und Orchestern aufgeführt. Beffa ist seit Herbst 2006 als Composer-in-Residence für das Orchestre National du Capitole tätig.

 

 

 

Tbon & Jacques

Ferrer Ferran: Tbon and Jacques
Jean-Michel Defaye: Performance; Ambivalence
Daniel Bimbi: @robase

Jacques Mauger, Posaune
La Musique Militaire Grand-Ducale, Fernando Ferrer Martinez, Jean-Claude Braun

Indésens INDE116, PC: CE, VÖ: 21.11.2018, 3760039831385

Mauger interessierte sich früh für die Posaune und studierte am Regional Conservatoire in Rouen und später am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris. Nach seinem Studium nahm er an internationalen Wettbewerben teil und wurde Preisträger in Markneukirchen, später in Toulon. Danach begann er seine berufliche Laufbahn als erster Posaunist beim Philharmonischen Orchester von Nizza, gefolgt von einer Tätigkeit als Posaunensolist beim Orchester der Pariser Oper.

Seit 1990 konzentriert er sich auf die Arbeit als Konzertkünstler und tritt häufig als Solist in Frankreich und im Ausland mit Ensembles auf, die von Streich- und Sinfonieorchestern bis hin zu Blas- und Konzertbands reichen. Er hat auch Fernsehauftritte bei ZDF, GLOBO, RAI, MUZZIK, RFI, France Inter, France Musique, France Info und BBC gemacht und sich damit einem breiten Publikum vorgestellt. Viele internationale Komponisten haben für ihn Originalwerke geschrieben oder spezielle Bearbeitungen vorgenommen.

Während seiner gesamten Karriere als Solist betreibt Jacques Mauger auch eine aktive Karriere als Lehrer am „Conservatoire à Rayonnement Régional de Paris“ sowie an der „Accademia Santa Cecilia di Roma“, Italien, wo er 3 Jahre arbeitete. Im Juni 2004 gewann er das Vorspiel für die Posaunenprofessur an der H.E.M., Neuchatel Schweiz. Seit September 2012 ist er Professor für Posaune an der HEMU Lausanne in Fribourg. Mauger ist auch Gastprofessor an der Senzoku Gaquen University of Tokyo, Japan, und er gibt oft Meisterkurse und Auftritte in zahlreichen Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Japan, Korea, China, Spanien, Deutschland, der Schweiz, Holland, den Vereinigten Staaten und vielen Ländern Südamerikas.

2007 erschien seine neu entwickelte Studiensammlung für Posaune (in Zusammenarbeit mit Jean Michel Defaye) in der Publikationsreihe von IMD Arpèges Publications in Paris.  Jacques Mauger ist auch Präsident der „Association des Trombonistes Francais“.

 

 

 

Ludwig van Beethoven

Sämtliche Werke für Cello und Klavier
Sonaten und Variationen

Xenia Jankovic, Cello
Nenad Lecic, Klavier

Calliope CAL1858, PC: EB (2 CD), VÖ: 21.11.2018, 3760039833235

Die Künstler sagen über ihre Einspielung: Die Offenheit, die Intimität in der klanglichen Welt der alten Instrumente finden wir so wunderbar, wertvoll und inspirierend, dass wir die Aufnahme auf jeden Fall genau so machen wollten.“ Xenia Jankovic  ist in Nis, Serbien, geboren. Als Sechsjährige entscheidet sie sich für das Cello als „ihr Instrument“ und gibt drei Jahre später ihr viel beachtetes Debüt als Solistin mit den Belgrader Philharmonikern. 1970 erhält sie ein Staatsstipendium an der Zentralen Musikschule des Moskauer Konservatoriums und ist Schülerin von Stefan Kalianov und Mstislav Rostropovich. Sie studiert bei Pierre Fournier und Guy Fallot in Genf und bei André Navarra in Detmold. Nach nationalen und internationalen Erfolgen gewinnt sie 1981 den ersten Preis des renommierten Gaspar Cassado-Wettbewerbs in Florenz, der ihr die Anerkennung und Aufmerksamkeit der internationalen Musikwelt bringt. Große menschliche wie künstlerische Vorbilder sind für sie Sandor Vegh und Görgy Sebök, die sie nachhaltig inspirieren. Solistische Auftritte mit Orchestern wie dem Philharmonia Orchestra London, dem Rundfunk- Sinfonieorchester Berlin, der Ungarischen Philharmonie, den Moskauer Sinfonikern, aber auch Sonatenabende in Paris, London, Moskau und Berlin sind vom Publikum und von der Presse enthusiastisch aufgenommen worden – man spricht von ihrer tiefen Verbundenheit mit der Musik und von unvergesslichen Erlebnissen. Als engagierte Kammermusikerin spielt sie mit Görgy Sebök, Gidon Kremer und András Schiff; sie ist regelmäßiger Gast bei internationalen Festivals in Österreich, der Schweiz, England, Deutschland und Korea. Xenia Jankovi? zählt zu den interessantesten Cellistinnen der Gegenwart. Seit 2004 ist sie Professorin für Violoncello an der Hochschule für Musik Detmold.

 

 

 

Transition

Von der barocken Triosonate zum klassischen Trio
J. S. Bach: Triosonate d-moll
C. Ph. E. Bach: Trio E-dur
J. Chr. Bach: Trios in C und in G
Haydn: Trios für zwei Flöten und Fagott

Eva Amsler, Karl-Heinz Schütz, Flöte
Jeff Keesecker, Fagott
Shalev Ad-El, Cembalo und Orgel

Ambitus AMB96931, PC: CE, VÖ: 21.11.2018, 4011392969314

Nach eingehender Beschäftigung mit W.F. Bach’s Flötenduos und der Einspielung seiner 6 Duette wollten wir die Leichtigkeit, das Sprudelnde der Klassik erfahren und erarbeiten. Was für ein heiteres Spielgefühl machte sich für uns bei Haydns Londoner Trios erlebbar! Die virtuose Kommunikation und lyrische Melodik inspirierten uns. Gleichzeitig wurden wir neugierig – wie konnte innerhalb weniger Jahre (von Bach bis Haydn) eine solche Andersartigkeit von Musik und Form entstehen? Unser Interesse an der Entwicklung von der Triosonate zum klassischen Trio war geweckt – wir beobachteten dies am kompositorischen Geschehen zwischen zwei Generationen von Musikern der Familie Bach (JS, CPE und CH Bach).

Was für eine Zeit des Übergangs diese Jahrhundertwende geschichtlich doch war: Zurückblickend denkt man am Ende des 18. Jahrhunderts an die Französischen Revolution und die Gründung des Amerikanischen Staates: Schauplätze unterschiedlichster politischer und soziologischer Prägung. Von diesem allgemeinen und mehr nüchternen Standpunkt aus gesehen erscheint die Diversität und Gleichzeitigkeit von musikalischem Ausdruck und verschieden Stilen bzw. Geschmäckern auf der Hand zu liegen. Das Sein prägt sicherlich das Bewusstsein und Musik ist immer Ausdruck der Zeit, aus der sie geboren wird.

Der Ernst und die Strenge des Barocken Stils, das Aufbrechen der Emotionen im Sturm und Drang werden in der Klassik sozusagen umstrukturiert und in eine neue Form gegossen. Von der Bachschen Fuge zum Haydn Menuet entsteht nicht nur die Umwandlung der Form von der Sonate zum Trio, und die der Besetzung vom Quartett zum Trio, nein es wird auch die des sozusagen entschlackten und leichteren helleren Gesamtklanges deutlich hörbar gemacht.

Zudem besteht die ‘Transition’ im klanglichen Sinne im Wesentlichen darin, dass wir mit unseren zwar hölzernen aber dennoch modernen Böhmflöten im Zusammenklang mit dem Fagott und – neben dem Cembalo - mit den vielen großen und kleinen Pfeifen der Orgel diese Musik des Übergangs gewissermaßen beatmen und beleben.

 

 

 

Carl Philipp Emanuel Bach – „für mich“

Quartette Wq 93-95
Duett für Flöte und Violine Wq 140
Clavierfantasie fis-moll Wq 67

Ensemble Klangschmelze:
Swantje Hoffmann, Violine und Viola
Leonard Schelb, Traversflöte
Ricardo Magnus, Fortepiano

Ambitus AMB96957, PC: CE, VÖ: 21.11.2018, 4011392969574

Dass es für einen Komponisten des 18. Jahrhunderts nicht immer einfach war, sich kompositorisch, ästhetisch und formell treu zu bleiben und gleichzeitig den Anforderungen gerecht zu werden, die an einen in fürstlichen Diensten stehenden Hofmusiker gestellt wurden, zeigt eine Notiz Bachs: „Weil ich meine Arbeiten für gewisse Personen und fürs Publikum habe machen müssen, so bin ich dadurch allezeit mehr gebunden gewesen, als bey den wenigen Stücken, welche ich bloß für mich verfertigt habe.” (Selbstbiographie in Carl Burney’s Tagebuch seiner musikalischen Reisen Bd.3, Hamburg 1773).  Hier zeigt sich die Spannung zwischen dem eigenen künstlerischen Anspruch einerseits und der Notwendigkeit des Broterwerbs andererseits, bei dem auf den Geschmack „bestimmter Personen” Rücksicht genommen werden musste, unter anderem auf den Friedrichs des Großen, dem Carl Philipp Emanuel Bach dreißig Jahre als „Kammercembalist” am Berliner Hof diente.

Während eine beachtliche Zahl der Werke C.Ph.E. Bachs große Verbreitung erlebte, blieben die Clavierquartette von 1788 nur einer Handvoll Musikliebhaber und Musiker bekannt. Zu diesen zählten unter anderen der große Joseph Haydn, der die Partituren von Wq 93 & Wq 94 besaß. Erst 1952 wurden die Werke in „moderner” Notentypographie gedruckt.

In unsere Werkauswahl für die vorliegende Aufnahme haben wir zusätzlich zu Bachs drei Clavierquartetten ein innerhalb dieser Gattung ganz herausragendes Werk mit dem Titel „Carl Philipp Emanuel Bachs Empfindungen” aufgenommen. Wenn es je gelingen könnte, einem Komponisten ins Herz zu schauen, dann wohl bei diesem Stück größter Empfindsamkeit. Der Traum vieler Musiker ist es, mit Hilfe einer Zeitmaschine einmal einen Musikus vom Kaliber eines CPhE Bach improvisieren zu hören und möglichst unbemerkt seinen intimsten künstlerischen Gedanken zu lauschen. Die Fantasie in fis-Moll ist geradezu prädestiniert dafür, eine solche ersehnte musikalische Zeitreise zu erleben. In ihrer Eigenartigkeit, Originalität, Kompromisslosigkeit und Zukunftsvision sind die drei Clavierquartette und die Fantasie fis-Moll vor allem eins: Werke, die uns den „privaten” Bach zeigen. Gerade so, als hätte er uns sagen wollen: Nun komponiere ich für mich.

 

 

 

Portraying Passion

Kurt Weill: Die sieben Todsünden
Marcus Paus: Hate Songs
Charles Ives: Five Songs; The Unanswered Question

Tora Augestad, Mezzosopran
Oslo Philharmonic Orchestra, Joshua Weilerstein, Christian Eggen

Lawo Classics LWC1164, PC: CK, VÖ: 21.11.2018, 7090020181868

Wenn Tora Augestad zusammen mit den Osloer Philharmonikern ein musikalisches Porträt veröffentlicht, stehen Kurt Weill, Marcus Paus und Charles Ives auf der Speisekarte. Das Repertoire von Augestad für „Portraying Passion“ transferiert die musikalischen Qualitäten modernistischer und individualistischer Komponisten in den Blick des 21. Jahrhunderts.

Die zeitgenössische Komposition von Paus erweitert die visionäre Dissonanz von Ives und die kontrastierenden melodischen Verschiebungen von Weills Orchestrierungen, bringt jedoch mit dem aufsehenerregenden Text und der kabaretthaften Präsentation etwas völlig Neues auf den Tisch. Parker und Brecht halten den konzeptionellen Weg der untertriebenen Satire gut aus, so dass sie durch den ätherischen, transzendentalen Text von Ives 'Liedern konterkariert werden und ein komplementäres Ganzes bildeten. Bringt die einzigartige Interpretation von Augestad in die Gleichung ein, erhalten die Zuhörer ein Programm, das von großen Spannungen und stilistischen Unterschieden lebt. Und darin zeigt sich die virtuose Kunstfertigkeit dieser Mezzosopranistin. Tora Augestad ist in Konzertsälen, Theater- und Kabarettbühnen sowie in zeitgenössischen Musikarenen gleichermaßen zu Hause. Durch die an Komponisten, neue Werke für sie zu schreiben, und durch die Zusammenarbeit mit ihren verschiedenen Ensembles sucht sie ständig neue Herausforderungen und den Austausch künstlerischer Ideen. Sie verfügt dank ihrer fesselnden Persönlichkeit über eine großartige Bühnenpräsenz. Augestad hat den Lotte-Lenya-Preis gewonnen und unter anderem mit dem Ensemble Modern, dem Klangforum Wien und Christoph Marthaler zusammengearbeitet.

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